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Datum: 17.06.2018

Kompetenzen und Standards für den evangelischen Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen. Ein Orientierungsrahmen

Im Frühjahr 2018 erschien der erste EKD-Text, der sich offiziell mit dem BRU beschäftigt. Das bibor war durch Dr. Andreas Obermann bei der Konzeption und beim Verfassen des Textes beteiligt. Aus dem Vorwort: In der beruflichen Bildung rücken Elemente der Allgemeinbildung mit denen der Fachausbildung immer enger zusammen. Fachübergreifende Berufsbilder verlangen nach Fähigkeiten der Improvisation und Organisation, der Reflexion und kritischen Analyse, der Kooperation und Kommunikation. Das erforderliche geschulte Urteilsvermögen und soziale Verhalten ist nicht durch eine rein fachorientierte berufliche Bildung zu gewinnen. In diesem Verständnis muss die Berufsschule wie die Schule überhaupt als Ort verstanden werden, in dem junge Menschen nicht nur gesellschaftsfähig, sondern auch lebensfähig werden. Sie erwarten zu Recht, dass sie über Ausbildung und Beruf eine ökonomische und soziale Perspektive entwickeln können, die ihnen ein sinnvolles und eigenverantwortliches Leben ermöglicht. Jugendliche suchen Orientierungshilfen, die sie überzeugen, und Menschen, die sie auf ihrer individuellen, oft auch religiösen Sinnsuche begleiten.

 

Im Frühjahr 2018 erschien der erste EKD-Text, der sich offiziell mit dem BRU beschäftigt. Das bibor war durch Dr. Andreas Obermann bei der Konzeption und beim Verfassen des Textes beteiligt.

 

Aus dem Vorwort:
In der beruflichen Bildung rücken Elemente der Allgemeinbildung mit denen der Fachausbildung immer enger zusammen. Fachübergreifende Berufsbilder verlangen nach Fähigkeiten der Improvisation und Organisation, der Reflexion und kritischen Analyse, der Kooperation und Kommunikation. Das erforderliche geschulte Urteilsvermögen und soziale Verhalten ist nicht durch eine rein fachorientierte berufliche Bildung zu gewinnen. In diesem Verständnis muss die Berufsschule wie die Schule überhaupt als Ort verstanden werden, in dem junge Menschen nicht nur gesellschaftsfähig, sondern auch lebensfähig werden. Sie erwarten zu Recht, dass sie über Ausbildung und Beruf eine ökonomische und soziale Perspektive entwickeln können, die ihnen ein sinnvolles und eigenverantwortliches Leben ermöglicht. Jugendliche suchen Orientierungshilfen, die sie überzeugen, und Menschen, die sie auf ihrer individuellen, oft auch religiösen Sinnsuche begleiten.

Auf diesem Hintergrund sollten Sinn und Aufgaben des Religionsunterrichts an den berufsbildenden Schulen unmittelbar einleuchten. Der Religionsunterricht hilft, die Frage nach dem Ganzen und nach dem tragenden Sinn von allem zu stellen. Er hilft zugleich, diese Frage aufgrund der Förderung des freien und selbständigen eigenen ethischen und religiösen Urteils zu beantworten. Als Begleitung bei der Suche nach dem eigenen Glauben in einer durch religiöse Pluralität gekennzeichneten Gesellschaft fördert er Verstehen und Toleranz und trägt dadurch zugleich zur Kooperationsfähigkeit am Arbeitsplatz bei.

Der vorliegende Orientierungsrahmen gewährleistet die Anschlussfähigkeit des Evangelischen Berufsschulreligionsunterrichts an die allgemeine Unterrichtsentwicklung, indem er spezifische Anforderungen an Kompetenzen und Standards für diesen Unterricht formuliert. Er will damit den Religionsunterricht als eine gemeinsame Angelegenheit zwischen Staat und Kirche befördern und zur Qualitätssicherung für dieses Fach beitragen. Damit unterstützt der Orientierungsrahmen die entsprechende Arbeit in den einzelnen Landeskirchen und in den verschiedenen Bundesländern. Ein solcher Rahmen zielt von vornherein nicht auf eine allgemeine Normierung, die ein flexibles Eingehen auf die Erfordernisse in einem föderalistisch verfassten Bildungssystem unmöglich machen würde. Stattdessen werden Erfahrungen und Perspektiven aus verschiedenen Bundesländern aufgenommen, im Sinne der Koordination miteinander verbunden und auf diese Weise als gemeinsame Arbeitsgrundlage zur weiteren Orientierung verfügbar gemacht.

Erarbeitet wurde der Orientierungsrahmen von einem Arbeitskreis, den die gliedkirchliche Konferenz der Referentinnen und Referenten für Bildungs-, Erziehungs- und Schulfragen in Aufnahme von Beratungen der Kirchenkonferenz der EKD eingesetzt hatte. Sie hat den Text mehrfach beraten und einstimmig verabschiedet. Abschließend hat der Rat der EKD die Veröffentlichung des Orientierungsrahmens beschlossen. Ich danke den Mitgliedern des Arbeitskreises und allen anderen, die an seiner Erarbeitung beteiligt waren, sehr herzlich. Die darin enthaltenen Kompetenzen und Standards korrespondieren mit dem Kerncurriculum für den Evangelischen Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe (EKD-Texte 109) sowie den Kompetenzen und Standards für den Evangelischen Religionsunterricht in der Sekundarstufe I (EKD-Texte 111) und bilden so gemeinsam einen abgestimmten Referenzrahmen für die Kultusministerkonferenz und die einzelnen Bundesländer.

Ein besonderer Dank gilt den Religionslehrkräften an den berufsbildenden Schulen. Ich habe großen Respekt davor, was sie als Lehrerinnen und Lehrer in der Schule leben und leisten. Und ich freue mich darüber, dass mit den universitären Instituten für berufsorientierte Religionspädagogik in Bonn und Tübingen ein ökumenisch geprägtes Unterstützungssystem für den Berufsschulreligionsunterricht gewachsen ist, das den Religionsunterricht in einer Schulart stärkt, wo er keinen leichten Stand hat. Die enge und vertrauensvolle ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen wird hier in besonderer Weise gebraucht.

Hannover, im März 2018

Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

 

 

 

 

 

Zum Text gelangen Sie hier: https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/ekd_texte_129_2018.pdf.

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